Alleine nach Neuseeland: Warum ich mit Mitte 20 ans andere Ende der Welt reiste

Eigentlich wollte ich nach Erfurt ziehen. Mein Plan war ganz unspektakulär: Dort meine Erzieherausbildung machen und meinen eigenen Weg gehen. Doch für meine Oma waren schon die knapp 50 Minuten Autofahrt viel zu weit weg. Sie wollte nicht, dass ich so weit von Zuhause wegziehe.
Heute muss ich darüber schmunzeln. Denn genau daraus entstand eine ziemlich verrückte Idee.
Kurz vorher traf ich zufällig eine ehemalige Freundin bei der Post. Sie erzählte mir, dass sie mit Mitte 20 nach Boston gegangen war. Irgendwie hatte ich bis dahin immer gedacht, dass so ein Auslandsjahr nur etwas für 18- oder 19-Jährige direkt nach der Schule ist. In meinem Kopf war ich dafür eigentlich schon „zu alt“.
Aber nach diesem Gespräch ließ mich der Gedanke nicht mehr los. Wenn schon weg, dann richtig. Ich wollte so weit weg, wie es nur ging. Nicht 50 Minuten von Zuhause entfernt – sondern ans andere Ende der Welt. Und so fiel die Entscheidung auf Neuseeland.
Rückblickend war das ziemlich verrückt. Innerhalb von gerade einmal drei Wochen organisierte ich mein Visum, buchte den Flug, schloss eine Auslandskrankenversicherung ab und fand eine Gastfamilie. Viel Zeit zum Nachdenken blieb gar nicht. Es war eher eine Mischung aus Kurzschlussreaktion, Mutprobe und – wenn ich ehrlich bin – auch ein kleiner Denkzettel.
Nach dem Motto: Wenn Erfurt schon zu weit weg ist, dann eben Neuseeland.

Natürlich hatte ich auch Angst. Ich wusste nicht, was mich erwarten würde. Ich war noch nie alleine so weit gereist, mein Englisch war alles andere als perfekt und plötzlich lagen fast 18.000 Kilometer zwischen meiner Familie und mir.
Aber gleichzeitig spürte ich dieses unglaubliche Kribbeln. Heute weiß ich: Diese spontane Entscheidung hat mein Leben verändert.
Neuseeland hat mir gezeigt, dass ich viel mutiger bin, als ich selbst geglaubt habe. Dort begann meine Liebe zum Reisen. Ohne diese Reise hätte ich wahrscheinlich nie in Mexiko gelebt, Noah wäre dort vielleicht nie geboren worden und Mut & Fernweh gäbe es heute vermutlich gar nicht.
Zum ersten Mal wirklich alleine unterwegs
Ich war vorher schon auf kleineren Reisen in Europa unterwegs gewesen. Aber ich hatte Europa noch nie verlassen. Die Vorstellung, alleine in ein fremdes Land zu fliegen, fühlte sich gleichzeitig aufregend und beängstigend an. Es hat richtig in mir gekribbelt. Dass man so etwas einfach machen kann. Dass man einfach losgehen darf. Dass da draußen plötzlich eine riesige Welt wartet.
Ich war neugierig. Wollte raus. Wollte Neues sehen und herausfinden, wer ich eigentlich bin, wenn ich alles Vertraute einmal hinter mir lasse. Also bewarb ich mich über aupairworld.com/de, organisierte mein Visum und sprach mit verschiedenen Gastfamilien. Mit meiner Gastfamilie hatte ich vorher genau einmal geskypet.
Aufbruch ins Ungewisse

Irgendwann stand ich dann bei uns in der Stadt in einem Laden und kaufte mir meinen ersten richtigen Backpack. Ich weiß noch genau, wie stolz ich war, ihn in den Händen zu halten. Plötzlich fühlte sich alles echt an. Nicht mehr wie eine verrückte Idee. Nicht mehr wie ein Traum.
Sondern wie etwas, das wirklich passieren würde. Und dann kam der Teil, vor dem ich fast noch mehr Angst hatte als vor dem Flug selbst: es meiner Familie zu erzählen.
Meinen Freunden hatte ich es vorher schon gesagt und die fanden es einfach nur spannend. Aber bei meiner Familie wusste ich sofort: Das wird eine ganz andere Nummer. Also lud ich alle in ein Café ein. Ich erinnere mich noch genau an dieses Kribbeln in meinem Bauch. Ich hatte Angst, es laut auszusprechen, weil so etwas einfach nicht typisch für meine Familie war. Aber vielleicht war ich schon immer ein kleines bisschen anders.
Als wir alle am Tisch saßen, sagte ich: „Ihr wolltet doch wissen, wie es jetzt bei mir weitergeht. Ich habe jetzt eine Antwort für euch.“ Und dann platzte es einfach aus mir heraus: „Ich gehe als Au-pair nach Neuseeland.“ Und plötzlich war es still am Tisch. So richtig still…
Und dann musste ich erstmal erklären, was ich da eigentlich vorhatte.
Neuseeland: Mein Zuhause auf Zeit

Neue Menschen, neue Orte, neue Erfahrungen. Ich habe so viel gesehen, gelernt und erlebt. Ich habe gelacht, geweint, gezweifelt und bin über mich hinausgewachsen.
Zum ersten Mal hatte ich das Gefühl, dass mein Leben größer sein darf als das, was ich mir bis dahin selbst zugetraut hatte.

Was diese Reise mir wirklich geschenkt hat
Heute kann ich sagen: Es war eine der besten Entscheidungen meines Lebens. Neuseeland hat mir nicht nur atemberaubende Landschaften gezeigt, sondern auch, wie viel mehr in mir steckt, als ich damals selbst geglaubt habe. Ich habe gelernt, Probleme alleine zu lösen, neue Menschen kennenzulernen und auch einfach mal ins Unbekannte zu springen.
Ohne diese Reise wäre mein Leben vermutlich ganz anders verlaufen…

Nach dem Abschied begann das eigentliche Abenteuer. Im nächsten Teil nehme ich dich mit auf meinen Flug nach Neuseeland und erzähle von meinem ersten Tag als Au-pair.
