Teil 4: Wochenbett in Mexiko – warum ich mich als frischgebackene Mama oft allein fühlte
- Erste Nacht
- Telefonat mit Oma
- Besuch der Familie
- Überforderung
- Entlassung nach kurzer Zeit
- Schwieriger Stillstart
- Nachtschwester
- Gelbsucht
- Gewichtsverlust
- Zufüttern
- Gefühle als junge Mama
- Was ich mir damals gewünscht hätte
Als ich schwanger war, hatte ich mir viele Gedanken über die Geburt gemacht. Über das Wochenbett dagegen kaum. Heute weiß ich, dass die Geburt nur der Anfang war. Die eigentliche Herausforderung begann für mich erst danach.
Mutter werden fühlte sich anders an, als ich es erwartet hatte.
Wenige Stunden zuvor hatte ich noch unter Wehen gelitten, und plötzlich lag da ein kleiner Mensch, der zu uns gehörte. Eigentlich hatte ich immer gedacht, dass ich in dem Moment sofort überwältigt vor Glück sein würde.
Doch die Wahrheit sah anders aus. Ich war erschöpft. Überfordert. Und vor allem brauchte ich Zeit. Zeit, um zu verstehen, dass ich gerade Mama geworden war.
Für die Fotos im Operationssaal hatte ich zwar gelächelt, aber innerlich fühlte ich mich eher wie in einem Film, der viel zu schnell abgespielt wurde. Alles war so rasend schnell gegangen.
Als Noah nach den ersten Minuten von seinem Papa übernommen wurde, war ich deshalb sogar erleichtert. Nicht, weil ich ihn nicht liebte. Sondern weil mein Kopf und mein Herz erst noch hinterherkommen mussten.

Die erste Nacht mit meinem Sohn
Nachdem Noah versorgt worden war, wurde er von seinem Papa auf unser Zimmer getragen.
Ich selbst wurde ohne Baby mit dem Aufzug nach oben gebracht. Und erstaunlicherweise war das für mich in diesem Moment völlig in Ordnung. Noahs Papa legte sich auf das Sofa und schlief fast sofort ein. Ich dagegen war hellwach.
Durch die Zeitverschiebung konnte ich mitten in der Nacht mit meiner Oma telefonieren und ihr Noah zeigen. Meine Mutter erreichte ich nicht. Sie war im Garten beschäftigt und wusste noch gar nicht, dass ihr Enkel bereits geboren worden war.
Ich saß einfach da und betrachtete dieses kleine Wesen. Immer wieder dachte ich: „Unglaublich. Ich habe ein Baby.“ Schlafen konnte ich nicht. Ich musste erst begreifen, was da gerade passiert war.

Besuch, Besuch und noch mehr Besuch
Kaum war die erste Nacht vorbei, stand bereits die Familie von Noahs Papa im Krankenhaus. Sein Bruder. Seine beiden Schwestern. Seine Eltern. Nach nicht mal 7 Stunden waren alle da.
Alle freuten sich auf Noah. Und natürlich meinten es alle gut. Doch ich hätte in diesem Moment eigentlich nur eines gebraucht: Ruhe.
Am Abend folgten weitere Verwandte. Ein Cousin. Eine Tante. Und noch jemand. Ich kannte sie nicht mal.
Ich hatte gerade ein Kind bekommen. Ich hatte nicht geschlafen.
Ich versuchte zu stillen. Ich versuchte zu heilen. Mein Dammschnitt tat höllisch weh und ich konnte nicht mal selbst auf die Toilette gehen geschweige denn mich allein duschen.
Und gleichzeitig wollte ich Noah auch allen zeigen und fühlte mich auch etwas verpflichtet, Besuch zu empfangen.

Die Nachtschwester, die ich bis heute nicht vergessen habe
In meiner zweiten Nacht im Krankenhaus machte ich eine Erfahrung, die mich bis heute beschäftigt. Eine ältere Nachtschwester wollte unbedingt, dass Noah trinkt. Immer wieder versuchte sie, ihn zu wecken. Sie schüttelte ihn am Kopf, drückte an meiner Brust herum und versuchte mit Nachdruck, das Stillen in Gang zu bringen.
Ich fühlte mich völlig hilflos. Die Berührungen waren unangenehm. Es tat weh. Und ich wollte nicht, dass sie das macht. Aber ich sagte nichts.
Heute frage ich mich manchmal, warum ich mich damals nicht gewehrt habe. Doch ich war 31 Jahre alt, frisch Mama geworden, erschöpft, unsicher und in einem fremden Land, sprach die Sprache nicht.
Ich hoffte einfach, dass jemand anderes für mich sprechen würde. Dass César etwas sagt. Dass irgendjemand merkt, wie unwohl ich mich fühlte. Doch das passierte nicht.
Und noch heute spüre ich manchmal Wut, wenn ich daran denke. Nicht auf diese Schwester. Sondern darauf, dass ich damals nicht wusste, dass ich Nein sagen darf.
In meiner zweiten Nacht im Krankenhaus machte ich eine Erfahrung, die mich bis heute beschäftigt. Eine ältere Nachtschwester wollte unbedingt, dass Noah trinkt. Immer wieder versuchte sie, ihn zu wecken. Sie schüttelte ihn am Kopf, drückte an meiner Brust herum und versuchte mit Nachdruck, das Stillen in Gang zu bringen.
Ich fühlte mich völlig hilflos. Die Berührungen waren unangenehm. Es tat weh. Und ich wollte nicht, dass sie das macht. Aber ich sagte nichts.
Heute frage ich mich manchmal, warum ich mich damals nicht gewehrt habe. Doch ich war 31 Jahre alt, frisch Mama geworden, erschöpft, unsicher und in einem fremden Land, sprach die Sprache nicht.
Ich hoffte einfach, dass jemand anderes für mich sprechen würde. Dass César etwas sagt. Dass irgendjemand merkt, wie unwohl ich mich fühlte. Doch das passierte nicht.
Und noch heute spüre ich manchmal Wut, wenn ich daran denke. Nicht auf diese Schwester. Sondern darauf, dass ich damals nicht wusste, dass ich Nein sagen darf.

Schon wieder nach Hause
Am Montagmittag, Noah war in der Nacht von Samstag auf Sonntag um 0:57 Uhr geboren, war unser Krankenhausaufenthalt bereits vorbei, da im Paketpreis nicht mehr vorgesehen war.
Ich saß mit Noah im Arm im Rollstuhl und wurde Richtung Ausgang geschoben.
Ich erinnere mich noch genau an meinen Gedanken: „Das kann doch nicht euer Ernst sein.“ Dieses winzige Baby war gerade erst geboren worden. Und nun sollten wir einfach nach Hause gehen.
Es fühlte sich so völlig unrealistisch an und ich fühlte ich mich nicht bereit.

Der schwierige Stillstart
Zu Hause wurde es nicht einfacher. Mein Milcheinschuss ließ auf sich warten. Tag für Tag hoffte ich, dass es endlich besser wird. Doch die Milch kam erst um den elften Tag nach der Geburt richtig in Gang.


Die Angst um Noah
Am Freitag nach der Geburt hatten wir unseren ersten Termin bei unserem Kinderarzt César Rosales. Wir mochten ihn sehr und hatten ihn bereits während der Schwangerschaft kennengelernt. Er begleitete ebenfalls die Geburt.
Noah wurde gewogen. Bei seiner Geburt hatte er 2.500 Gramm gewogen. Nun zeigte die Waage nur noch 2.150 Gramm.
Der Kinderarzt wurde ernst. Wir sollten sofort zufüttern.
Ich brach in Tränen aus. Zum ersten Mal hatte ich das Gefühl, mein Kind nicht ausreichend versorgen zu können. Es war ein schreckliches Gefühl.
Dieser winzige Mensch lag vor mir. So klein. So leicht. So zerbrechlich. Und ich hatte Angst um ihn, da ich zu Hause mein bestmöglichstes gegeben hatte. Vor allem mit der Milchpumpe, wo ich jeden Tropfen Milch mit einer Pipette zufütterte. Bei jedem Tropfen der daneben ging, brach ich damals in Tränen aus, ich fühle es heute noch so sehr, wie schwer das für mich war.

Gelbsucht und viele Sorgen
Zu dem Gewichtsverlust kam noch eine Neugeborenengelbsucht.
Damals wurde uns geraten, Noah möglichst oft dem Tageslicht auszusetzen. Also lag mein kleiner Sohn häufig am Fenster oder wir saßen in der Sonne.
Rückblickend ergibt vieles Sinn. Noah schlief in seinen ersten Lebenstagen unglaublich viel. Damals dachte ich, ich hätte einfach ein besonders entspanntes Baby. Heute glaube ich, dass er schlicht zu schwach war. Er hatte stark abgenommen, bekam noch nicht genug Nahrung und musste gleichzeitig mit der Gelbsucht kämpfen. Als neue Mama konnte ich all das nicht einordnen. Ich versuchte einfach mein Bestes.

Was mir gefehlt hat
Wenn ich heute zurückblicke, glaube ich, dass ich mich in Deutschland wahrscheinlich besser begleitet gefühlt hätte.
Vielleicht hätte eine Hebamme früher bemerkt, dass Noah so viel Gewicht verloren hatte. Wahrscheinlich wären wir engmaschiger betreut worden. Wahrscheinlich hätte mir jemand gesagt, worauf ich achten muss und ich glaube, ich hätte mich weniger allein gefühlt.
Gerade in den ersten Tagen hätte ich jemanden gebraucht, der regelmäßig nach uns schaut und sagt: „Das ist normal.“
Oder: „Hier müssen wir genauer hinschauen.“ Stattdessen waren wir als kleine Familie oft auf uns allein gestellt.

Aus dem winzigen Bündel wurde ein wunderbarer Junge
Wenn ich heute an diese Zeit zurückdenke, sehe ich nicht mehr nur die Sorgen und die Unsicherheit. Ich sehe Noah. Auch heute ist er eher ein zartes Kind. Aber er hat sich wunderbar entwickelt.
Er ist kreativ, intelligent, neugierig und hat einen ganz besonderen Blick auf die Welt. Immer wieder überrascht er mich mit seinen Gedanken, seinen Ideen und seinem Humor.
Wenn ich heute die Fotos aus dem Krankenhaus in Puebla anschaue, sehe ich nicht mehr nur dieses kleine Bündel mit seinen 2.500 Gramm. Ich sehe den Jungen, der daraus geworden ist.
Den Jungen, der mich zur Mama gemacht hat. Und ich bin super dankbar, dass es ihn gibt.
