Teil 5: Von Mexiko zurück nach Deutschland – Noahs erstes Jahr
- Die ersten Monate in Mexiko
- Leben als kleine Familie
- Noahs Entwicklung
- Corona-Zeit
- Rückkehr nach Deutschland im Juni 2020
- Unterstützung durch meine Familie
- Ankommen in Deutschland
- Rückblick auf die Entscheidung
Als Noah geboren wurde, hatte ich keine Ahnung, wie sehr dieses kleine Bündel mein Leben verändern würde. Plötzlich war ich nicht mehr nur Isabel. Ich war Mama.
Und während ich versuchte, mich in meiner neuen Rolle zurechtzufinden, veränderte sich auch die Welt um uns herum.
Die ersten Monate als Familie in Mexiko
Nach den turbulenten ersten Wochen wurde unser Alltag langsam ruhiger. Noah nahm zu, die Gelbsucht verschwand und mit der Zeit wurde ich sicherer in meiner Rolle als Mutter. Vieles, was mir anfangs Angst gemacht hatte, wurde Stück für Stück einfacher. Wir fanden unseren Rhythmus. Die schlaflosen Nächte wurden normal. Das Stillen funktionierte irgendwann. Und aus dem winzigen Bündel wurde nach und nach ein kleiner Junge mit ganz eigener Persönlichkeit.
In dieser Zeit gingen wir viel in unserem Fraccionamento (eine mit Security überwachte, eingemauerte Wohnsiedlung) spazieren, besuchten einen Rückbildungskurs und Sportkurs sowie ein deutschsprachige Krabbelgruppe, die selbst von den Mamas organisiert wurde. Zudem trafen wir uns regelmäßig mit der Familie von César, die viel Freude mit Noah hatten und die es schwer traf, dass wir nach Deutschland gezogen sind.


Reise mit Noahs Familie nach Chignahuapan
Bevor wir nach Deutschland zurückkehrten, verbrachten wir noch ein paar schöne Tage mit der Familie in Chignahuapan, einem kleinen Ort, der vor allem für seine Weihnachtskugeln bekannt ist.
Für Noah war es sein erster gemeinsamer Familienurlaub. Wir reisten mit dem Bus nach Chignahuapan und verbrachten dort eine richtig schöne Zeit. Es waren ruhige, gemeinsame Tage, an die ich heute noch gerne zurückdenke, bevor für uns mit der Rückkehr nach Deutschland ein neues Kapitel begann.


Besuch meiner Mama
Als Noah drei Monate alt war, kam meine Mama den ganzen weiten Weg zu uns, zu Besuch. Wir feierten gemeinsam Silvester und gingen dann auf die erste Reise mit Noah.


Wir flogen von Puebla nach Cancun, Yucatan Halbinsel und machten eine kleine Rundreise. Wir schauten uns Chichen Itza an und übernachteten ein paar Nächte in Valladolid. Anschließend reisten wir auf die Insel Holbox und konnten ein paar Tage am Strand genießen. Noah steckte da seine kleinen Füße das erste Mal ins Meer.




Zurück nach Deutschland – unser Neuanfang
Schon während meiner Schwangerschaft war uns klar, dass wir langfristig nach Deutschland gehen wollten.
Ich war zwar gerne in Mexiko. Dort hatte ich meinen Traum verwirklicht, an einer Deutschen Auslandsschule gearbeitet und dort wurde auch Noah geboren. Aber ich vermisste meine Familie und irgendwie auch das deutsche System, was ich kannte.
Nein, ich war nicht nach Mexiko ausgewandert, um dort die große Liebe zu finden. Eigentlich wollte ich verschiedene Länder kennenlernen und an Deutschen Auslandsschulen arbeiten. Dass ich Noahs Papa schon wenige Wochen nach meiner Ankunft kennenlernen würde, hätte ich damals nie gedacht. Wir entschieden uns bewusst für ein gemeinsames Kind – und genauso bewusst entschieden wir uns später dafür, unsere Zukunft in Deutschland aufzubauen.

Ein Neuanfang mit neun Monate altem Baby
Im Juni 2020 war es schließlich so weit. Noah und ich flogen nach Deutschland.



Ich erinnere mich noch gut an dieses Gefühl: Vor mir lag ein kompletter Neuanfang. Ich hatte keinen Job, keine eigene Wohnung und musste unser Leben praktisch noch einmal von vorne aufbauen. Gleichzeitig kümmerte ich mich um Behördengänge, die Wohnungssuche und organisierte einen Kindergartenplatz sowie die Eingewöhnung in diesen für Noah.
Zum Glück war ich nicht allein. Ich zog mit Noah bei meiner Mama ein. Eine Zweiraumwohnung mit Baby. Meine Familie fing uns auf und unterstützte mich, wo sie nur konnte. Nach den Monaten in Mexiko tat es unglaublich gut, vertraute Menschen um mich zu haben.

Sommer 2020
Wie es für uns weiterging
Im Oktober 2020 landete Noahs Papa, nach vier langen Monaten des Nichtsehens, auf deutschen Boden, ins völlig Ungewisse. Mit dem Visum Nachzug zum deutschen Kind war es ihm erlaubt zu arbeiten. Aber als was stand damals noch nicht fest, mitten in Corona auch noch…
Im Oktober 2021 besuchten wir für drei Wochen die Familie. Auf dieser Reise ließen wir Noah in Guanjato taufen und reisten durch fünf Bundesstaaten.



Im Sommer 2025, als ich hochschwanger mit Joko war, reiste Noah das erste Mal alleine mit seinem Papa für fünf Wochen nach Mexiko. Die nächste Reise ist für die Sommerferien 2027 geplant.

Wenn ich heute zurückblicke
Manchmal denke ich daran zurück, wie viel in diesen zwei Jahren passiert ist.
Ich bin allein nach Mexiko ausgewandert. Ich habe dort gearbeitet, eine völlig neue Kultur kennengelernt und mein Leben einmal komplett auf den Kopf gestellt.

Ich wurde Mama– weit weg von meiner eigenen Familie. Mein Sohn wurde in Puebla, Mexiko geboren. Und schließlich kehrte ich mit einem neun Monate alten Baby nach Deutschland zurück, um hier noch einmal ganz neu anzufangen.
Damals fühlte sich vieles einfach nach Alltag an. Heute weiß ich, wie viel Mut all diese Entscheidungen gekostet haben.
Natürlich würde ich manche Dinge heute anders machen. Ich würde mehr Fragen stellen, meine Grenzen klarer setzen und mir früher Unterstützung holen. Aber ich bereue keine einzige Entscheidung. Denn ohne diesen Weg gäbe es Noah nicht.

Ein Stück Mexiko bleibt für immer
Noah hat seine ersten neun Lebensmonate in Mexiko verbracht. Dort hat er seine ersten Geräusche gehört, seine ersten Menschen kennengelernt und dort begann unsere Geschichte als Familie.
Auch wenn wir heute in Deutschland leben, wird Mexiko immer einen besonderen Platz in unseren Herzen haben.

Nicht, weil dort alles perfekt war. Sondern weil dort ein neues Kapitel unseres Lebens begann. Ein Kapitel voller Herausforderungen, Zweifel, Mut und unvergesslicher Erinnerungen. Und das Schönste daran ist bis heute Noah. Er ist inzwischen ein kreativer, neugieriger und liebevoller Junge, der mich jeden Tag aufs Neue überrascht. Er spricht, dank seines Papas, fließend Spanisch, was ich sehr beeidruckend finde.
Wenn ich die Bilder aus dem Krankenhaus in Puebla anschaue, sehe ich heute nicht mehr die Unsicherheit oder die Ängste. Ich sehe den Moment, in dem ich Mama geworden bin.

Sechs Jahre später durfte ich dann die Geburt meines zweiten Sohnes auf eine ganz andere Art erleben – bei einer geplanten Hausgeburt. Zwei Geburten, zwei Länder und zwei völlig unterschiedliche Erfahrungen, die ich nie vergessen werde.
