Teil 2: Schwanger in Mexiko – zwischen Vorfreude, Kaiserschnitt-Druck und fehlendem Mutterschutz
- Frauenarzt Juan de Dios
- Vorsorge privat bezahlen
- Krankenhausbesichtigungen
- Versicherung übernimmt nichts
- Kosten der Geburt
- Fehlende Hebammenbetreuung
- Spanischer Geburtsvorbereitungskurs
- Druck der Schule wegen geplantem Kaiserschnitt
- Unterschiede zu Deutschland
- Umzug kurz vor der Geburt
Nachdem wir erfahren hatten, dass wir Eltern werden würden, begann für mich eine ganz besondere Zeit.
Es war meine erste Schwangerschaft und gleichzeitig lebte ich erst wenige Monate in Mexiko. Viele Dinge waren neu für mich und ich hatte keine Ahnung, wie Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett dort organisiert sind.
Schon bald stellte ich fest, dass vieles ganz anders lief als in Deutschland.

Unser Frauenarzt sprach Englisch – und das war Gold wert
Eine der ersten Aufgaben bestand darin, einen Frauenarzt zu finden.
Mein Spanisch war damals noch längst nicht gut genug, um medizinische Gespräche sicher führen zu können. Deshalb war für mich ein Kriterium besonders wichtig: Der Arzt sollte Englisch sprechen.
So fanden wir Juan de Dios.
Vom ersten Termin an fühlte ich mich bei ihm gut aufgehoben. Er begleitete uns von den ersten Schwangerschaftswochen bis weit nach Noahs Geburt.
Seine Praxis befand sich im Hospital Angeles, einem der renommiertesten Krankenhäuser in Puebla. Die Praxis war modern eingerichtet, die Schwestern waren freundlich und die Atmosphäre deutlich persönlicher, als ich es aus manchen deutschen Arztpraxen kannte.
Jede Vorsorgeuntersuchung bezahlten wir privat. Je nach Termin kostete eine Untersuchung zwischen 35 und 45 Euro.
Für mich war das zunächst ungewohnt. In Deutschland hatte ich nie darüber nachgedacht, was eine Schwangerschaftsvorsorge eigentlich kostet.
Warum wir die Geburt selbst bezahlen mussten
Während der Schwangerschaft wurde uns bewusst, dass wir auch die Geburt komplett selbst finanzieren würden.
Zwar hatte ich eine Krankenversicherung in Mexiko, doch diese hätte die Kosten erst nach einer bestimmten Versicherungsdauer übernommen. Da ich erst wenige Monate zuvor eingereist war, griff dieser Schutz für mich nicht.
Plötzlich standen wir vor einer Entscheidung: Sollte ich für die Geburt nach Deutschland zurückkehren oder unser Kind in Mexiko zur Welt bringen?
Finanziell hätte sich beides kaum unterschieden. Die Geburt in Mexiko sollte uns rund 3.000 Euro kosten. Eine Rückreise nach Deutschland und die anschließende Rückkehr nach Mexiko wären ähnlich teuer geworden.
Letztlich entschieden wir uns, in Mexiko zu bleiben. Nicht, weil alles perfekt war.
Sondern weil unser Leben inzwischen dort stattfand und es einfach besser planbar war.

Schwangerschaft und Wochenbett ohne Hebamme
Je weiter die Schwangerschaft fort schritt, desto mehr vermisste ich einige Dinge, die in Deutschland selbstverständlich sind.
Vor allem die Hebammenbetreuung.
Zumindest in meinem Umfeld spielte sie in Mexiko kaum eine Rolle. Es gab niemanden, der regelmäßig nach mir schaute, keine Nachsorge und keine persönliche Begleitung, wie ich sie später bei meiner zweiten Schwangerschaft erleben durfte.
Einen Geburtsvorbereitungskurs besuchte ich zwar. Allerdings fand dieser komplett auf Spanisch statt. Ich verstand vieles, aber längst nicht alles.
Oft saß ich dort und hoffte einfach, die wichtigsten Informationen richtig verstanden zu haben.
Die Schule wollte einen Kaiserschnitt
Der schwierigste Teil meiner Schwangerschaft hatte nichts mit meinem Körper zu tun. Sondern mit meinem Arbeitgeber.
Die Schwangerschaft verlief völlig unkompliziert. Mir ging es gut und es gab keinen medizinischen Grund für einen Kaiserschnitt.
Trotzdem wurde ich mehrfach in Gespräche eingeladen. Der Grund war erstaunlich simpel: Die Schule wollte den Geburtstermin planen können.
Bei einem Gespräch erklärte mir eine Mitarbeiterin, dass sie selbst einen Kaiserschnitt gehabt habe und das gar nicht schlimm gewesen sei. Sie habe sich sogar ihr Wunschdatum aussuchen können. Ich verließ dieses Gespräch weinend. Für mich stand fest, dass ich keinen geplanten Kaiserschnitt wollte.
Später wurde sogar Noahs Papa zu einem Gespräch hinzugezogen. Gemeinsam versuchte man uns davon zu überzeugen, eine planbare Geburt in Betracht zu ziehen.
Rückblickend war das eine der belastendsten Erfahrungen meiner Schwangerschaft.
Arbeiten bis kurz vor der Geburt
Auch beim Thema Mutterschutz erlebte ich große Unterschiede zu Deutschland.
Eigentlich war vorgesehen, dass ich nach den Sommerferien noch einmal in die Schule/Maternal (Kinderkrippe) zurückkehre, die neuen Kleinkinder eingewöhne und erst kurz vor dem errechneten Geburtstermin aufhöre zu arbeiten.
Viele meiner mexikanischen Kolleginnen arbeiteten tatsächlich bis unmittelbar vor der Geburt oder bis zum geplanten Kaiserschnitt. Für sie war das völlig normal. Für mich fühlte sich das unvorstellbar an.
Heute muss ich manchmal darüber lachen, denn sowohl Noah als auch sein kleiner Bruder Joko kamen bei 39+0 zur Welt. Hätte ich den ursprünglichen Plan umgesetzt, hätte ich mein Kind wahrscheinlich beinahe noch auf der Arbeit bekommen.
In Mexiko verrät man den Namen des Babys sobald man das Geschlecht weiß und sich einen ausgesucht hat. Ich fande das super schön, denn jeden Tag im Morgenkreis wurde Noah bereits von den Kindern begrüßt, indem.sie meinen Bauch streichelte und wir ihn im Begrüßungslied mitsangen. Das war total schön, dass das Baby schon so richtig dazugehörte.
Zum Glück begannen die Sommerferien rechtzeitig und verschafften mir eine dringend benötigte Pause.

Ein Umzug kurz vor der Geburt
Während mein Bauch immer größer wurde, stand noch eine weitere Veränderung an. Wir beschlossen umzuziehen.
Zu Beginn der Schwangerschaft hatten wir in einem wunderschönen Haus in Cholula gewohnt. Mit Dachterrasse, Blick auf den Vulkan Popocatépetl und die berühmte Kirche von Cholula war es einer der schönsten Orte, an denen ich jemals gelebt habe.
Doch mit dem Baby änderten sich unsere Prioritäten.
Wir wollten näher an der Schule wohnen und gleichzeitig unsere Ausgaben reduzieren. In Mexiko gibt es weder Kindergeld noch vergleichbare staatliche Leistungen wie in Deutschland. Lediglich wurden 12 Wochen Elternzeit bezahlt, wovon ich 5 Wochen schon vor der Geburt nahm.
Also packten wir kurz vor der Geburt noch einmal unser gesamtes Leben in Umzugskartons.
Anstrengend? Absolut. Vor allem weil unser erstes Haus, in das wir zogen mit Kakerlaken überstromt war, was in der ersten Nacht zum Vorschein trat. Alles krabbelte rum. Noah rumorte in meinem Bauch, weil ich so aufgeregt war. Den nächsten Tag suchten wir umgehend ein neues Haus. Blöderweise schleppten wir neue Kakerlaken in das Haus mit ein, weil bereits Eier in unseren Möbeln abgelegt wurden. Ein Horror. Später als Noah schon geboren war, kam ein Kammerjäger in T-Shirt un Flipflops und fing an in unserem Haus zu sprühen, als ich mit dem Baby noch im Haus war. Puh, wenn ich daran zurückdenke…
Aber rückblickend war es insgesamt die richtige Entscheidung, auch wenn das Haus jetzt richtig mexikanisch war. Meine Mama kam zu Besuch als Noah drei Monate alt war und war glaube etwas geschockt, wie wir lebten.



Vorfreude statt Angst
Trotz aller Herausforderungen erinnere ich mich an die Schwangerschaft vor allem als eine schöne Zeit. Ich hatte keine Angst vor der Geburt. Ich freute mich auf unser Baby.
Natürlich gab es Unsicherheiten. Natürlich stellte ich mir Fragen. Aber insgesamt war ich überzeugt, dass wir das schaffen würden.
Die größte Sorge war eigentlich, dass die Geburt unter der Woche beginnen könnte und ich Noahs Papa aus der Arbeit holen müsste.
Dass Noah sich am Ende einen Samstag aussuchen würde und meine Fruchtblase gegen 17 Uhr platzen sollte, wusste ich damals natürlich noch nicht.
Doch genau damit begann das nächste Kapitel unserer Geschichte.
